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Neuerscheinungen 2014

Stand: 2020-02-01
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Andreas Kaul

Wohnreform im Bergischen Land: Die Gartensiedlung Gronauer Wald in Bergisch Gladbach


Erstauflage. 2014. 144 S. 31 Abb. 220 mm
Verlag/Jahr: DISSERTA 2014
ISBN: 3-9542584-2-0 (3954258420)
Neue ISBN: 978-3-9542584-2-0 (9783954258420)

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Sie galt seinerzeit als mustergültig gar als revolutionär: Mit der Gartensiedlung Gronauer Wald in Bergisch Gladbach schuf das Papierfabrikantenehepaar Anna und Richard Zanders, beeinflusst von der Bodenreformbewegung und noch vor Entstehung der Deutschen Gartenstadtgesellschaft, eine Wohnsiedlung, welche in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts deutschlandweit für Aufmerksamkeit sorgte.
Diese Studie soll die Idee und die Entstehung der Gronauer Waldsiedlung skizzieren, sowie die einzelnen Bauphasen der Siedlungsgeschichte beschreiben. Die Entwicklung der Wohnsiedlung wird zudem in den zeithistorischen Kontext eingeordnet. Abschließend soll der aktuelle Zustand der Wohngebäude in der Gronauer Waldsiedlung beschrieben werden sowie auf den Komplex Schutz und Erhaltung des historischen Siedlungsbildes eingegangen werden.
Textprobe:
Kapitel 2.4.1, Das Modell der Gartenstadt:
Die Idee der Gartenstadt wurde im Jahre 1898 vom Briten Ebenezer Howard als Reaktion auf die unwürdigen Wohnverhältnisse in den stark angewachsenen Städten veröffentlicht. Ziel war es, die Entwicklung der in der Industrialisierung rasant angewachsenen Städte zu steuern, das unkontrollierte Wachstum neuer Stadtviertel am Rande der Stadt sowie die drohende Verdichtung im Stadtinneren zu verhindern. Stattdessen schlug Ebenezer Howard Siedlungsneugründungen im Umland der historischen Kernstadt vor. Diese neu errichteten Großsiedlungen waren als selbständige Einheiten am Rande der Städte mit einem effektiven Transportsystem zur Verbindung des Trabanten mit der Kernstadt geplant. Eine Gartenstadt sollte nach den Plänen Howards maximal 32000 Einwohner und einen gewissen Abstand zur Zentralstadt haben. Gartenstädte und Zentralstädte waren durch einen geschützten Grüngürtel getrennt geplant, welche unbebautes Land und Grünflächen enthielten. Das Modell der Gartenstadt sah zudem die so genannte Gartenstadtdichte vor: Es wurde auf eine geringe Wohndichte geachtet, als Idealdichte wurden zwölf Häuser pro acre angegeben. Des Weiteren sollte die Gartenstadt durch vom Zentrum abgehende Radialstraßen in Nachbarschaften gegliedert werden. Im Zentrum der Gartenstadt sahen die Pläne Ebenezer Howards zentrale Einrichtungen wie Theater, Bücherei, Krankenhaus und Kommunalverwaltung vor. Die Gartenstadt sollte mit allen erforderlichen Arbeitsplätzen ausgestattet sein. Die kreisförmige Gartenstadt wurde tangential durch eine Eisenbahn erschlossen, die die Verbindung zu anderen Städten sicherstellte. Nach der Errichtung der Gartenstadt plante man, die Siedlung nicht weiter auszubauen. Ebenezer Howard sah den Aufbau weiterer Gartenstädte vor, die ebenfalls eigenständige Einheiten bildeten. Im Umfeld einer Zentralstadt konnte so ein Ring von Gartenstädten entstehen, die sowohl von der Kernstadt als auch von den Tochtergartenstädten durch Grüngürtel getrennt waren.
In Howards Plänen hatte auch die Finanzbasis der Stadt eine erhebliche Bedeutung: Der gesamte Grund und Boden war als öffentliches oder genossenschaftliches Eigentum vorgesehen. Es sollte eine gemeinnützige, kapitalkräftige Gesellschaft gegründet werden, die im Interesse der Wohnungsreform und der gewerblichen Tätigkeit ein großes Gelände ersteht und nach zweckmäßiger Aufschließung die Planung der Gartenstadt organisiert. Die Überschüsse aus den potentiellen Bodenrenten sollten dazu genutzt werden, die Infrastruktur der Gartenstadt zu erhalten. Die Planer der Gartenstadt sollten sich von den nachstehenden Grundgedanken leiten lassen: Von Beginn an auf die Gesundheit, auf die planmäßige Erschließung des Geländes, sowie die räumliche und zahlenmäßige Größenbeschränkung der Stadt Rücksicht zu nehmen.
Nach Ebenezer Howards Plänen wurden die beiden Gartenstädte Letchworth und Welwyn Garden City errichtet, die in ihren Grundrissstrukturen zwar von dem kreisförmigen Idealmodell abweichen, trotzdem jedoch wesentliche Merkmale der Gartenstadt aufweisen. Jene Städte waren zunächst die einzigen Siedlungen, welche als reine Gartenstädte verwirklicht wurden. Die Ideen Ebenezer Howards führten zur Gründung von 100 neuen Städten in Großbritannien, die nach dem Gartenstadtideal gebaut wurden. Es entstanden jedoch keine reinen Gartenstädte vielmehr wurden Wohnsiedlungen mit gartenstadtähnlicher Bebauung errichtet. Von den Gestaltungsprinzipien der Howardschen Gartenstadt wurden in den Gartenvorstädten nur grundsätzliche Kriterien niedergelegt: Dazu gehörte die Gartenstadtdichte mit überwiegender Doppelhaus-Bauweise sowie die starke Auflockerung der Siedlung durch Grünflächen.
2.4.2, Die Gartenstadtbewegung in Deutschland:
Das Modell der Gartenstadt des Briten Ebenezer Howards fand auch in Deutschland Zustimmung. Im Jahre 1902 wurde die Deutsche Gartensiedlungsgesellschaft gegrün